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„Nenn mich Thomas!“ - Vom Schüler zum Oscar-Preisträger zum Jurymitglied

Als Schüler hat Thomas Stellmach auch am Wettbewerb „jugend creativ“ teilgenommen und gewonnen. Heute sitzt der Oscar-prämierte Kurzfilm-Regisseur in der Jury von „jugend creativ“. Traumschreiberin Milena hat die Chance bei der Bundesjury Kurzfilm genutzt und den 43-Jährigen direkt nach der Entscheidung ausgehorcht.

von Milena Zwerenz

 

 

„Du kannst mich gerne duzen, das finde ich angenehmer“, klärt Thomas Stellmach, 43, gleich zu Beginn unseres Gesprächs. Er hat kurzes blondes Haar und eine angenehme Stimme, die leicht, ganz leicht seine bayrische Herkunft verrät. Als ehemaliger Wettbewerbsteilnehmer und Filmexperte sitzt er in der Bundesjury Kurzfilm von „jugend creativ“.
 

Filme dreht er seit er 17 ist, seine Bilder kreiert er selbst. Thomas ist Trickfilmer und hat für seinen Stop-Motion-Film “Quest” 1997 sogar einen Oscar bekommen. Es fühlt sich irgendwie aufregend und gleichzeitig erschreckend normal an, einem Oscar-Preisträger gegenüber zu sitzen. Thomas führt schließlich kein abgehobenes Luxusleben, sondern verkörpert das, was man gemeinhin als „bodenständig“ bezeichnet. Er wohnt heute in Kassel, arbeitet als freier Künstler und tourt zurzeit mit seinem neuesten Werk "Virtuos virtuell" auf verschiedenen Filmfestivals.
 

Motivation für einen Schüler


Als Thomas 1985 als 20-jähriger Schüler bei „jugend creativ“ mitgemacht hat, gab es noch gar keine Wettbewerbskategorie Kurzfilm. „Ich habe damals ein Bild zum Thema 'Wirtschaft, Industrie und Mensch' eingereicht und auf Landesebene in Bayern gewonnen“, entsinnt er sich. Seine Zeichnung zeigte eine aus Reagenzgläsern bestehende Industrielandschaft, aus einem Gefäß floss giftgrüne Soße. Obwohl Thomas nur einmal bei „jugend creativ“ mitgemacht hat, hat ihn sein Erfolg – und auch die Siege bei anderen Wettbewerben – damals enorm motiviert: „Das stand dann in der Zeitung und hat mir natürlich Ansehen in der Schule eingebracht. Außerdem waren meine Eltern stolz auf mich und haben mich unterstützt.“
 

Jurysitzungen damals und heute


Seit 2003 sitzt Thomas jetzt selbst in der Jury von „jugend creativ“. Mittlerweile gibt es zahlreiche technische Neuheiten, von denen Thomas früher auch geträumt hätte: viele neue Software-Programme und natürlich das Internet.


Die Qualität der Beiträge sei in diesem Jahr sehr hoch gewesen, meint Thomas. Aber das diesjährige Wettbewerbsthema „Traum“ biete auch viele Möglichkeiten. So habe etwa ein Teilnehmer ganz schlicht von einem neuem Handy geträumt, ein anderer thematisierte in seinem Kurzfilm homosexuelle Fantasien. Besonders beeindruckt hat ihn aber ein Beitrag, der den Liedtext zu John Lennons „Imagine“ visualisierte und eine eigene mit Kohle gezeichnete Interpretation lieferte. „Das war sehr dark“, beschreibt mir Thomas den Film. Apropos dark: Seine eigenen verrückten Träume verarbeitet Thomas in seiner Arbeit aus eben diesem Grund weniger: „Die würde eh keiner verstehen und die Umsetzung wäre dann auch eher albtraummäßig.“


Gemeinsam mit zwei anderen Jurymitgliedern bildet Thomas das Animationsfilm-Expertenteam in der achtköpfigen Jury. Solche Filme behandelt er deswegen aber keinesfalls bevorzugt: „Wir sind kritisch und gucken auf den Inhalt und nicht nur auf die Technik.“ Da die Jury viel untereinander diskutiert, nimmt so eine Jurysitzung auch fast einen ganzen Tag in Anspruch: Filme angucken, Meinungen austauschen, eventuell nochmal angucken und abstimmen. Für ihn zählt vor allem Originalität und der kreative Umgang mit der Thematik. Die Umsetzung sei zwar manchmal noch nicht die beste, aber „dafür gibt es ja dann die Workshops“.


Neues lernen in den Profi-Workshops


Die sechs Gewinner der Kategorie Kurzfilm fahren vom 3. bis 10. August gemeinsam mit den Siegern des Malwettbewerbs zur Sommerakademie auf den Scheersberg an die Ostsee. Von den angebotenen sieben Workshops leitet Thomas die Trickfilm-Werkstatt. Dort erwartet die Teilnehmer ein Crashkurs in Sachen Filmanimation mit Glasmalerei. Ein Film aus vielen einzelnen Bildern entsteht, indem Farbe auf eine Glasplatte aufgetragen wird, die von unten beleuchtet und anschließend abfotografiert wird. Das Bild auf der Platte wird immer wieder leicht verändert und aufs Neue fotografiert. Eine Technik, mit der Thomas für gewöhnlich nicht arbeitet: „Normalerweise mache ich Zeichnungen oder 3D-Animationen am PC.“


Darum freut er sich auf den Workshop und die Ergebnisse umso mehr. Doch vor allem sein Einfluss auf die Teilnehmer interessiert ihn: „Ich würde ja zu gerne wissen, ob einer der Teilnehmer auch nach dem Workshop nochmal einen Trickfilm macht.“


Wer weiß, vielleicht sieht Thomas bald ja einen Kurzfilm in seiner Technik auf einem Filmfestival oder bei den Oscars wieder.


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