Immer mobil, immer online

Unsere Droge heißt Facebook

Wenn mir langweilig ist, zücke ich mein Smartphone und gehe auf Facebook. Das weiße „f“ auf blauen Grund hat auf meinem Handy einen Stammplatz bekommen. Täglich bin ich online und checke dort die Neuigkeiten. Nicht nur ich bin immer mobil, Facebook hat nach eigenen Angaben aktuell 1,39 Milliarde aktive Nutzer. Können wir überhaupt noch ohne Facebook auskommen oder sind wir alle süchtig? Ideengeberin Melanie gibt euch die wichtigsten Infos.

-------------


Facebook hält uns up-to-date, durch den Newsfeed bekommen wir ständig Neuigkeiten von unseren Freunden und Bekannten. Auch Nachrichten über Politik, Kultur oder Sport lesen wir im sozialen Netzwerk. Außerdem zocken wir in Facebook Spiele, chatten, treten Gruppen bei und schauen uns Fotos an. Ab 13 Jahren kannst du dir ein Profil im virtuellen Raum einrichten und dabei sein. Sobald du registriert bist, hast du die Möglichkeit persönliche Informationen anzugeben und zu veröffentlichen. Wir bestimmen unsere Selbstdarstellung im Netz und können diese leicht „bearbeiten“. Durch ein paar „Gefällt-mir“-Angaben erhöhen wir scheinbar unser Selbstbewusstsein. Facebook fasziniert uns. Laut der JIM-Studie 2014 liegt Facebook auf Platz zwei der beliebtesten Internetangebote, gleich nach Youtube.


Das Internet ist jung, die sozialen Online-Netzwerke sind es ebenfalls: 2004 gründete der Student Mark Zuckerberg den blauen Internetgiganten. In kürzester Zeit wurden wir alle zu Facebook-Freunden und Teil eines riesigen Netzwerks. Sind wir mittlerweile vielleicht alle Junkies, die ohne die blaue Internet-Droge nicht mehr klar kommen?
 

Was ist Facebook-Sucht eigentlich?


Wir alle haben ein Verlangen nach Kommunikation, durch ein paar Klicks im sozialen Netzwerk bekommen wir leicht neue Kommunikationspartner, und damit auch mehr Informationen. Die Informationssucht ist vermutlich ein Bestandteil der Facebook-Sucht, deswegen könnten Abhängige ihren Freundeskreis ausbauen wollen. Außerdem können viele Facebook-Freunde die soziale Eingebundenheit suggerieren, nach der wir meist streben. „Gefällt-mir“-Angaben unterstützen das und können uns eine Art virtuelle Eitelkeit bilden lassen. Wir wägen genau ab, was wir im Internet zeigen und bekommen die Chance zur Selbstinszenierung.


Wegen unserer Freunde wollen wir vermutlich erst zu Facebook. Alle sind online und mobil, deswegen entsteht ein Gruppendruck und wir melden uns ebenfalls an.
 

Facebook unterhält uns. Besonders die integrierten Spiele wie zum Beispiel „Candy Crush Saga“ oder „Farmville“ haben einen hohen Suchtfaktor. Einen Bauernhof zu bewirtschaften dauert Zeit. Wir müssen teilweise in Facebook eingeloggt sein, um die Spiele zu nutzen. Die Spielsucht gehört also auch zur Facebook-Sucht.


Süchte müssen nicht stoffgebunden sein, Spielsucht oder Arbeitssucht sind es zum Beispiel nicht. Die Weltgesundheitsorganisation definierte 1957 eine Sucht als einen Zustand der Vergiftung, hervorgerufen durch eine Droge. Wir werden durch die Erfahrung, Wiederholung und Gewöhnung süchtig. Abhängige wünschen sich die Dosis zu steigern, ihre eigentliche Hemmschwelle verschiebt sich immer weiter nach unten. In Facebook können wir die Dosis mit dem Grad unserer Aktivität und der Zeit bestimmen. Süchtige nutzen Facebook unkontrolliert und zwanghaft, weil sie ihre Bedürfnisse auf anderem Wege kaum noch stillen können.


Facebook als Droge


Jeder Dealer möchte auch etwas für seinen Stoff bekommen. Wir bezahlen unter anderen mit unserer Zeit, diese fehlt uns dann für andere Dinge. Schlechte Noten in der Schule, Stress im Alltag oder Ärger mit den Eltern resultieren vom zu vielen Surfen. Zudem bezahlt ihr Facebook mit euren Daten, und das dürft ihr nicht unterschätzen. Je länger wir uns im Netz bewegen, desto mehr lernt Facebook über uns. Wir wollen möglichst viele Facebook-Freunde, um soziale Eingebundenheit, Anerkennung und Informationen zu erlangen. Eigentlich war Facebook für bereits bestehende Freundschaften gedacht, Süchtigen ist das egal. Das hat Folgen, denn bei zu vielen Facebook-Freunden verlieren wir jedoch schnell den Überblick, wer noch zu unseren „echten“ Freunden gehört. Es gibt es keine Abstufungen zwischen Bekannten, Verwandten oder Klassenkameraden. Alle werden in Facebook „Freunde“ genannt. Der Trick des sozialen Netzwerks ist einfach, aber wirksam: Die Interaktion mit Freunden und Bekannten lässt uns denken, wir wären sozial, während der ein oder andere jedoch alleine vor dem Laptop sitzt.
 

Bin ich süchtig, und wenn ja: was tun?


Wenn ihr merkt, dass ihr täglich mehrere Stunden online seid, eure Freunde vorwiegend in Facebook trefft und die Pflanzen bei Farmville live wachsen seht, dann solltet ihr vorsichtig sein! Dosiert die Zeit, die ihr auf Facebook verbringt vernünftig. Nutzt Facebook als Kommunikationswerkzeug, und denkt daran, dass es keine „wahren Freundschaften“ ersetzt. Mit Facebook könnt ihr euch in so ziemlich jedem Internetangebot anmelden, ohne euch extra neu zu registrieren. Verzichtet darauf lieber, denn eure Daten werden alle auch von Facebook gespeichert. Deswegen solltet ihr auch aufpassen, was ihr postet und kein falsches Bild von euch im Netz kreiert.  


Facebook bietet viele nützliche Kommunikationsmöglichkeiten an. In Nepal half es beispielsweise kürzlich dabei verschüttete Erdbebenopfer zu finden und ihnen zu helfen.


Das soziale Online-Netzwerk hat seine Vor- und Nachteile und definitiv ein hohen Suchtpotential. Deswegen hier noch ein paar Tipps, um sicher zu surfen und nicht als Facebook-Junkie zu enden:

  1. Achtet auf euer Zeitmanagement für reales und Online-Leben.
    Kennzeichen für eine Sucht sind zum ersten: Der Wunsch zur Steigerung der Dosis. Jedes erhöht ihr die Dosis etwas, und somit verschiebt ihr eure Hemmschwelle weiter nach unten. Deshalb solltet ihr darauf achten, dass der Computer nicht dauerhaft an ist, das Smartphone auch mal getrost bei Seite gelegt werden kann und man sein „reales Leben“ nicht vernachlässigt.
  2. Nur Freundschaftsanfragen von Leuten annehmen, die ihr auch kennt.
    Idealerweise ordnet ihr sie Listen zu. So behaltet ihr den Überblick über eure „Freunde“ und könnt selbst den Grad der Freundschaft durch Listen abstufen.
  3. Cookies regelmäßig löschen.
    Jede Internetseite speichert sogenannte „Cookies“ – zu deutsch „Kekse“ – auf deinem PC und Smartphone. Diese dienen der Marktforschung. Es wird damit geschaut, auf welchen Internetseiten Sie vorwiegend unterwegs sind, um dann gezielt personalisierte Werbung zu schalten. Wir geben viel von uns preis, deshalb solltet ihr in regelmäßigen Abständen Cookies löschen. Das geht ganz leicht über die Systemeinstellungen eures Computers/Smartphones.

Facebook ist nur ein Internetangebot unter vielen. WhatsApp, Instagram, Tublr, Twitter und einige andere sind ebenfalls in der oben erwähnten JIM-Studie aufgeführt. Jedes soziale Online-Netzwerk funktioniert etwas anders, der Risikofaktor Sucht besteht vermutlich bei allen. Es gibt verschiedene Hilfsangebote, wenn ihr euch unsicher seid. Empfehlenswert ist beispielsweise www-ins-netz-gehen.de, dort könnt ihr Selbsttests machen und euren Internet-Konsum in den Griff bekommen.


Weitere nützliche Links:
- www.sicher-online-gehen.de
- www.klicksafe.de
- www.surfen-ohne-risiko.net


 

Text: Melanie Lal


zurück zur Übersicht