Immer mobil, immer online

Kreativ mobil – unterwegs auf der internationalen Preisverleihung

Ein Fest der Bewegung: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken luden am 19. Juni zur internationalen Preisverleihung des Jugendwettbewerbs „jugend creativ“ nach Berlin. Ideengeberin Marie besuchte die Abschlussveranstaltung zum Thema „Immer mobil, immer online: Was bewegt dich?“.

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Die Hochhäuser am Potsdamer Platz in Berlin ragen in den Himmel als wollten sie aufs Neue ihre mächtigen Stein- und Glasfassaden zur Schau stellen. Es ist laut, zwischen hupenden Autos, während Menschen an der Ampel darauf warten, dass es grün wird. Ein junger Mann wirft schnell noch einen Blick auf sein Smartphone, eine Sekunde später geht es weiter. Der Fluss der Großstadt, immer in Bewegung – und heutzutage auch immer online.

 

Umso überraschender erscheint ein überschaubares, altes Gebäude am Rande des Sony-Centers. Geschützt und ein klein wenig versteckt hinter Glasfassaden. Heute lädt dorthin der Bundesverband der Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) zur internationalen Preisverleihung des Jugendwettbewerbs „jugend creativ“ zum Thema „Immer mobil, immer online: Was bewegt dich?“ ein. Die drei Erstplatzierten der Altersgruppe 10. bis 13. Klasse sind zur internationalen Siegerehrung heute in Berlin zu Gast geladen und treffen dort auch auf die Gewinner aus den anderen Ländern. Insgesamt werden zwölf Bilder mit Pokalen ausgezeichnet.

 

Ein bewegter Ort

 

Der sogenannte Kaisersaal ist ein besonderer Ort. Schon Kaiser Wilhelm hatte hier seine allerhöchsten Gäste empfangen. Mobilität ist auch ein treffender Begriff für den Ort dieser Festlichkeit, dessen Geschichte selbst durch Bewegung furiosester Art geprägt ist. Der im zweiten Weltkrieg zerstörte Kaisersaal des Grand Hotel Esplanade wurde in einer spektakulären Aktion aus dem damaligen und unter Denkmalschutz stehenden Ruinenensembles herausgelöst und mit Hilfe einer Luftkissen-Konstruktion um 75 Meter in das neue Sony-Center verschoben.

 

Volles Haus

Im Kaisersaal versammeln sich an dem Tag neben den internationale Preisträgern, auch Landessieger aus Deutschland der Altersgruppe 5, Vertreter der deutschen Regionalverbände, Mitglieder der Bundesjury Deutschland und weitere Freunde und Partner der Jugendwettbewerbs, zu denen unter anderen "Dein SPIEGEL" zählt. Die ersten Gäste tummeln sich an den Erfrischungsgetränken. Stephanie kommt aus Tirol in Österreich. Ihr Bild zeigt einen Mann in einem Zug, dessen Hände auf dem Rücken hinter dem Sitz gefesselt sind. „Er ist an die Mobilität gebunden“, erklärt sie. „Ich hatte nicht erwartet, dass ich soweit kommen würde. Und das freut mich.“

 

Applaus für knapp 900.000 Einsendungen

Auf der Bühne sind Trommeln aufgebaut, sie glänzen im Licht der Abendbeleuchtung. Das Calypsonic Steel Orchestra begibt sich zur Bühne, es geht gleich los. Sie werden den Abend musikalisch begleiten. BVR-Präsident Uwe Fröhlich, diesjähriger Ausrichter der internationalen Abschlussveranstaltung, wird heute Abend gemeinsam mit Melanie Schmergal, Vorsitzende der internationalen Arbeitsgruppe „jugend creativ“ und BVR-Pressesprecherin, die schon erwartungsvoll bereitstehenden Pokale überreichen.

„Ich freue mich sehr, hier heute stehen zu dürfen“, begrüßt Frau Schmergal die Gäste stolz. „An einem Ort, wo beispielsweise eine Szene in Wim Wenders Himmel über Berlin gedreht wurde.“ Auch der BVR-Präsident zeigt sich beeindruckt angesichts dem schönen Ambiente und vor allem der hohen Teilnehmerzahlen.

Rund 851.000 Bilder, Filme und Quizlösungen reichten Kinder und Jugendliche zum Thema des 45. Jugendwettbewerbs bei Genossenschaftsbanken in Deutschland, Finnland, Frankreich, Luxemburg, Österreich, Italien (Südtirol) und der Schweiz ein, die heute leider nicht alle vertreten sein können. Die knapp 900.000 Einreichungen seien auf jeden Fall „einen Applaus wert“, bemerkt Uwe Fröhlich euphorisch.

 

Willi will‘s wissen – und übernimmt

Die Moderation hingegen übernimmt ab diesem Zeitpunkt dann Reporter Willi Weitzel nicht nur als TV-Liebling(s)-Abenteurer (Willi wills wissen), sondern auch als Schirmherr der 45. Wettbewerbsrunde. „Bei der Frage nach der Schirmherrschaft, dachte ich, das passt ja wie die Faust aufs Auge. Denn ich bin nicht nur ein rasender, sondern auch ein reisender Reporter”, witzelt Willi Weitzel.

 

Internationale Preisträger

Mit der Bekanntgabe der Sieger der Altersgruppen 1-3 beginnt die Preisverleihung und Übergabe der blau schillernden Trophäen an die Stellvertreter. In der Altersgruppe der 6- bis 8-Jährigen erreichte Camille D. aus Frankreich international den ersten Platz, bei den 9- bis 10-Jährigen Simon M. aus Italien/Südtirol und unter den 11- bis 14-Jährigen Oriane C. aus Frankreich.

Ein Trommelwirbel kündigt anschließend den 3. Platz der obersten Altersgruppe an. Er geht an Anna Mätzler aus Österreich. Sie hat die Beine eines Menschen gezeichnet, der einen Schritt nach vorne macht. Das hintere Bein stelle die Vergangenheit dar, das vordere die Zukunft, in der die Welt zerbrochen ist, vor allem durch Umweltverschmutzung ausgelöst.

Mit dem Zweitplatzierten trifft man auf ein bekanntes Gesicht. Julian Schindler aus Augsburg in Deutschland hatte letztes Jahr den ersten Platz ergattert. Auf seinem Beitrag für diese Runde,
seinem Bild „Move“, zeigt sich eine dystopische Stadteinsicht. Julians Plan A sei es auf jeden Fall freier Künstler zu werden, aber das sei ja bekanntlich schwer. Jetzt warte er erst einmal auf einen Studienplatz.

Den 1. Platz
belegt Maxime P. aus Frankreich, der jedoch wegen seines Abiturs nicht anwesend sein kann. Einen tosenden Applaus bekommt er trotzdem.

 

Angekommen: Mobil & online

 

Das Thema des diesjährigen Wettbewerbs betrifft jeden unserer heutigen Zeit auf unterschiedliche Art und Weise. Unterschiedlich fallen dadurch auch die verschiedenen Bildinterpretationen aus. Aischa aus der Schweiz bemerkt: „Ich habe an die Gegensätze von Mobilität gedacht. Daran, zwar schnell von einem Ort zum anderen kommen zu können, aber immer weniger Zeit zu haben.“

Auch auf der Veranstaltung vergeht die Zeit im Flug. Zum Schluss werden nationale Gewinner der verschiedenen Länder mit einer Teilnehmerurkunde geehrt. Einer von ihnen ist Marc aus Deutschland. Er habe kein Smartphone und kein Facebook: „Ich glaube nicht, dass man das braucht, um mit Menschen in Kontakt zu treten.“ Aber für ein paar Fotos von der Veranstaltung ist so ein multifunktionales Smartphone doch ganz praktisch. Zum Abschluss noch ein strahlendes Foto: Bitte alle lächeln!

 

Nach dem Wettbewerb ist vor dem Wettbewerb

 

Das nächste Wettbewerbsthema steht übrigens schon fest. Ab Oktober 2015 wartet die 46. Runde mit dem Titel „Fantastische Helden und echte Vorbilder: Wer inspiriert dich?“ auf zahlreiche Einsendungen.

„Wild sein, sich trauen, man selbst zu sein. Das malen, was man empfindet, sich nicht verbiegen zu lassen“, sind ermutigende Worte an alle Kreativen, die Melanie Schmergal findet. „Es geht schließlich insbesondere um Echtheit und Authentizität. Das zeichnet auch dieses Jahr die Sieger aus.“


Mit dem Calypsonic Steel Orchestra und einer darauffolgenden Artistenaufführung der Tänzergruppe „Flugtträumer“ erfährt das Künstlerische hier im Kaisersaal eine Fortführung und ist zugleich Ausklang der Preisverleihung.

Draußen ist es schon dunkler geworden, der Kaisersaal ist in orangefarbenes Licht getaucht. Die ersten Leute wippen zur Musik. Vielleicht ein wenig so, wie früher im Kaisersaal anlässlich einer Festlichkeit. Mobilität verbindet eben auch.

 

Text: Marie Heinrichs


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